Pfarrkirche

Pfarrkirche

Die Pfarrkirche Christkönig

Aus der Broschüre „Katholisches Pfarrzentrum Christkönig Straubing“, hrsg. vom damaligen Pfarrer Lorenz Leibl:

„Ende November 1971 war es soweit, dass wir in den da und dort noch unfertigen Kirchenraum einziehen konnten, um dem Kindergarten möglichst bald Platz zu machen. Die Gemeinde nahm dafür manches Provisorische und Unbequeme gelassen in Kauf. Dann wurde der Teppichboden verlegt, im Dezember konnte die Orgel klangvoll eingeweiht werden: im Wesentlichen ermöglicht durch eine Stiftung der verstorbenen Baumeisterstochter Anni Gierl von Straubing, einer Verwandten des Pfarrers, mitfinanziert auch aus Spenden der Mutterpfarrei St. Josef, die eine großzügige Mitgift der „Tochter“ in die Wiege legte. Endlich, im Mai 1972, konnte die Kirche durch Weihbischof Flügel von Regensburg feierlich geweiht werden, zur festlichen Freude der Gemeinde.

Nun steht der Bau, und manche fragen skeptisch: „Was, das soll eine Kirche sein?“ Gegenfrage: „Was ist eine Kirche?“ Antwort: „Die Kirche ist der Bau für die Kirche!“ Die Kirche aus Stein ist der Raum, der Saal für die Kirche als Gemeinde der Christen, für die lebendige Gemeinschaft derer, die an JESUS als den KYRIOS glauben (Daher das Wort „Kirche“ = „Kyrake“ ergänzt Ekklesia = Gemeinde). Würde und Kostbarkeit der Kirche sind nicht primär abhängig von Kunstschätzen, Gold und Silber, sondern von der Würde der auserwählten Familie Gottes, die sich darin versammelt, um Eucharistie zu feiern, das Wort Gottes zu hören, zu danken, zu bitten, die Sakramente zu empfangen, die Feste des Heilsjahres zu feiern. „Gottes Bauwerk seid ihr!“ (1 Kor. 3,9) „Gottes Tempel ist heilig, und der seid ihr!“ (1 Kor. 3, 17).

Das Gebäude braucht, ja soll heute nicht durch Wucht und Macht imponieren, exzentrische Form gegen die Wohnbauten auftürmen, sondern „Klarheit, Ebenmaß und Einheit“ zeigen … Der Raum unserer Kirche ist eindeutig zentriert auf den Altarraum. Die fast zwölf Meter hohe Laterne lässt das „Licht von oben“ hereinfluten, Symbol für die gnadenhafte Fülle der Güte Gottes, die der Gemeinde geschenkt ist. Der Altar ist ein schlichter Tisch aus Buchenholz mit einer Tischplatte aus Basalt: wir feiern das Abendmahl des Herrn, das Sakrament seiner Opferliebe am Kreuz, der Liebesgemeinschaft des gekreuzigt-auferstandenen Christus … Die Gemeinde, die von drei Seiten dem Altar zugewandt ist, kann schauend dabei sein, in „tätiger Anteilnahme“ (Liturgische Konstitution des 2. Vatik. Konzils). Dieser Mitte zugeordnet ist der Ambo für Schriftlesung und Predigt mit dem Osterleuchter, der wie das Hängekreuz Zeichen des Sieges Christi ist. Darunter die Marienstatue aus Lindenholz mit der Dornenkrone aus Stacheldraht: unübersehbar als Symbol des Leidens, besonders durch die ungerechte Macht des Bösen, Zeichen für die Misere und damit für die Erlösungsbedürftigkeit auch dieser unserer Welt von heute.

Die künstlerische Ausstattung: der Altar, die Madonna, das Kreuz, die Leuchter, der Tabernakel, die Apostelleuchter, der Entwurf des Orgelprospektes und anderes stammen von dem Akad. Bildhauer Josef Hamberger von Rosenheim, die Marienstatue in der Sakramentskapelle schuf Walter Veit aus Straubing.

Die Orgel hinter dem Altar ist zugleich Musikinstrument und „Großplastik“ mit ihrer strengen, schönen Gliederung; im Verbund der Pfeifen, die nach oben weisen, auch ein Zeichen für die Gemeinde, die als Gemeinschaft, jeder mit seiner eigenen Stimme und Gabe aufgerufen ist, Gott zu preisen: Sursum corda! Empor die Herzen!

Wer unvoreingenommen den Bau auf sich wirken lässt, auf dem Teppichboden, der den wohnlichen Charakter verstärkt, den Raum durchschreitet und in Ruhe betrachtet, sich auf dem einfachen, aber bequemen Stuhl niederlässt, kann die klaren Maße der Kirche, die Gliederung durch die Kassettendecke als beruhigend, sammelnd empfinden. Der getriebene und gehetzte, von tausend Eindrücken verfolgte Mensch unserer lauten Zeit kann hier zur Ruhe, Stille und Gebet kommen, wenn er sich Zeit und Muße dafür nimmt. Die drei Felder der Bestuhlung in T-Form weisen die Versammlung zur Mitte, aber ebenso aufeinander hin. Christliche Gemeinde ist zugleich auf Gott und auf die „Schwestern und Brüder“ verwiesen. Die Einheit von Gottes- und Nächstenliebe ist wesentlich. Auch gibt es hier außer dem Sitz des Priesters mit den Ministranten als Vertretern der Gemeinde, bei den Plätzen keine Sonderrechte und Trennung, etwa wie früher in „Männer- und Frauenseite“.

Alle, auch die Kinder, haben in der Kirche die gleichen Stühle, das gleiche Recht. Vor Gott sind alle „Kinder Gottes“ und darum alle gleich an grundlegender Würde aus der Gnade der Taufe. Auch alle Gliederung und alle Ämter sind zum Dienst an der Gemeinde da. Darum haben wir auf Stufen verzichtet. Alle stehen auf dem gleichen Boden.

Im großen Kirchenraum ist auch Platz für das intime, persönliche Gebet: Die Werktags- und Sakramentskapelle im rechten Teil des Gebäudes lädt ein zu Besinnung auf die Gegenwart Christi im Sakrament, zur Betrachtung des Todes Jesu durch das innige Barock-Bauernkreuz: zur Meditation vor der Marienstatue (von Walter Veit), einer dem heutigen Lebensgefühl entsprechenden Darstellung Mariens „in der Hoffnung“, aus dem Ton des Gäubodens geformt und gebrannt. Die blaue Glasur bedeutet die himmlische Würde der begnadeten Mutter des Herrn anstatt des sonst üblichen Heiligenscheines. Maria mit dem Kind Jesus in ihrem gesegneten Leib ist besonders hier „am Platz“, im Hinblick auf die vielen Mütter der Gemeinde: ein Aufruf, die Mütter zu achten und die Kinder anzunehmen als die besonders von Jesus Geliebten, sie zu lieben und ihnen in seinem Geist alle Sorge zu schenken: als Kraft gegen die heidnische Kinderfeindlichkeit so vieler!

Der Kirchenraum ist aber nicht in erster Linie zum Besichtigen; dazu gibt es zu wenig zu sehen. Er ruft in seiner relativen Leere nach dem Menschen, er ist nicht Selbstzweck, er lebt von der Gemeinde, die ihn erfüllt. Erst wer den Gottesdienst eine Zeitlang mitfeiert, kann den Raum erfahren und sich darin wohlfühlen …
All das aber lebt vom „normalen“ gottesdienstlichen Leben der Gemeinde: bei den … Gottesdiensten an jedem Sonntag, den großen Feiern des Kirchenjahres: Ostern, Weihnachten, Kirchweih, Erstkommunion, den Maiandachten und Bußgottesdiensten, der feierlichen Taufe der Kinder, den Hochzeiten und Trauermessen, den Kindergottesdiensten, besonders auch für die Kinder des Institutes für Hörgeschädigte. Dieses vielfältige Leben ist die Seele dieses Raumes, prägt seine Atmosphäre. Ohne das wäre alles toter Stein, kaltes Gemäuer! Weil aber dieses Leben hier immer neu pulsiert, darum haben wir auch erfahren: Alles in allem ist die Kirche Christkönig ein würdiger Bau für eine christliche Gemeinde heute!“